Dez 7, 2018
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Jugendliche in der Schuldenfalle

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Jugendliche in der Schuldenfalle

25 Prozent der 16- bis 25-Jährigen geben mehr Geld aus, als es ihr Budget erlaubt. Und von den älteren Überschuldeten lebten 80 Prozent erstmals in diesem Alter auf Pump. Ist die Schuldenfalle ohne Ausweg?

Schuldenmachen ist eine verbreitete Strategie. Nicht nur Staaten sind verschuldet. Hausbesitzer mit Schulden stehen steuertechnisch besser da als solche ohne. Dass Schulden etwas Schlechtes sein sollen, lässt sich der Jugend nur schwer plausibel machen, zumal das Leasinggeschäft die Erfüllung von Konsumträumen in Aussicht stellt, die das Selbstwertgefühl zu heben versprechen.
Konsumsucht und lockerer Umgang mit Geld können nicht als Jugendsünde, die früher oder später einem vernünftigen Verhalten weicht, abgetan werden. Denn 80 Prozent der überschuldeten älteren Menschen machten erstmals in diesen frühen Jahren Anschaffungen auf Pump. Kinder und Jugendliche erleben immer seltener, was beim Tausch von Geld und Waren abläuft. Altbackene Sprüche wie «Wer den Rappen nicht ehrt, ist des Frankens nicht wert» finden kaum mehr Beachtung.. Der Umgang mit Geld lässt sich nicht mehr durch Beobachtung im Familienalltag erlernen, wenn Eltern mit einem Strauss von Kreditkarten hantieren. Eltern, die mit ihrem Nachwuchs das Erstellen von persönlichen Budgets einüben, haben es heute ähnlich schwer wie solche, die den Fernseh- oder Computerspiel-Konsum einzudämmen versuchen.
Der Gruppendruck der Peer-Group ist keine neue Erscheinung. Der Wunsch, dazuzugehören, ist in jedem Klassenzimmer, in jedem Freizeitklub stark. Was diese Zugehörigkeit ausmacht, untersteht jedoch einem laufenden Wandel. Kräftemessen auf dem Pausenplatz oder Mitreden-Können über konsumierte Fernsehsendungen reichen nicht mehr, um «in» zu sein; die jeweils neuesten modischen Accessoires sind schon fast Pflicht, und wer kein Handy – ein tückischer Kostenfaktor – besitzt, ist von gestern.
Kaufsucht ist freilich kein Privileg der Jugend, schlecht kontrolliertes Kaufverhalten weisen gegen 5 Prozent der Bevölkerung auf.. Besonders verbreitet ist die Neigung zum unkontrollierten Kaufen bei den Jüngeren: 17 Prozent der 18- bis 24-Jährigen haben grosse, 47 Prozent dieser Altersgruppe mittlere Kaufkontroll-Probleme.
Obwohl die Studie zeigt, dass Kreditkartenbesitzer nicht häufiger Problemkäufer sind als Personen ohne Plasticgeld, werden von den als Problemkäufer Identifizierten 45 Prozent durch die Verfügbarkeit einer Kreditkarte zu ungeplanten Ausgaben verleitet.
Budgetberatung zur rechten Zeit wäre die beste Prävention gegen das Schuldenmachen. Jede Wohngemeinschaft, jeder frisch gegründete Hausstand nimmt eine Zusammenstellung der Ausgabenposten vor. Spätestens mit der Auflösung einer Hausgemeinschaft müssen die Budgets neu – individuell – erstellt werden. An solchen Bruchstellen lauert die finanzielle Überforderung.
Mit der Volljährigkeit eines Kindes gehen Autonomie und Verantwortung im Umgang mit Geld in dessen Regie über. Der Übergang ins Erwachsenenalter ist für viele ein Stolperstein. Lehrlinge, die ihre erste Arbeitsstelle antreten, unterschätzen oft Posten wie «Steuern». Dass immer mehr Schweizerinnen und Schweizer die jährlich steigenden Krankenkassenprämien nicht begleichen (können), ist bekannt. Dass Versicherungsprämien in ein persönliches Budget gehören, müssen junge Menschen, denen die Eltern bisher unter die Arme gegriffen haben, erst lernen. Bei Leasingverträgen muss in Rechnung gestellt werden, dass für Fahrzeuge, die auf diesem Weg in Gebrauch genommen werden, eine Vollkaskoversicherung obligatorisch ist. Dass für Leasing- wie generell für Konsumkreditverträge ein Widerrufsrecht besteht, dass sich unüberlegte Schritte innert sieben Tagen (schriftlich) korrigieren lassen, wissen Jugendliche oft nicht.

Fachleute unterscheiden zwischen dem «freien Budget», bei dem es um Überschuldungsprävention geht, und dem «Sanierungsbudget», das auf dem betreibungsrechtlichen Existenzminimum beruht und aufgestellt wird, wenn es bereits angehäufte Schulden abzutragen gilt..

Jugendkriminalität heute

Jugendkriminalität heute

 

Deliquenz – Intensivtäter – Störung des Sozialverhaltens

Heinz Duthel

Paperback

252 Seiten

ISBN-13: 9783746082349

Verlag: Books on Demand

Erscheinungsdatum: 29.01.2018

Sprache: Deutsch

Farbe: Nein

 

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bestseller
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